Schmerzmittel bei Harnwegsinfekt

Schmerzmittel bei Harnwegsinfekt

Arzneimitteltelegramm

Keine Schmerzmittel gegen unkomplizierte Zystitis

Um die Bildung von Resistenzen zu vermindern, soll der Gebrauch von Antibiotika optimiert und reduziert werden. Vor diesem Hintergrund und mit Verweis auf die ICUTI-Studie1 mit Ibuprofen (IBUPROFEN ABZ u.a. Generika; a-t 2016; 47: 39) kann der aktuellen deutschen S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen zufolge bei Frauen mit leichten bis mittelgradigen Beschwerden einer unkomplizierten Zystitis eine alleinige symptomatische Therapie als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden.2 Im direkten Vergleich lindert das Schmerzmittel Symptome allerdings schlechter als das Antibiotikum Fosfomycin (MONURIL, Generika) und geht häufiger mit Pyelonephritis einher (2,1%. versus 0,4%).1 Eine aktuelle, in der Schweiz durchgeführte randomisierte Doppelblindstudie bestätigt die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit: 253 im Mittel 37 Jahre alte Frauen mit unkomplizierter Zystitis und seit durchschnittlich 3,4 Tagen bestehenden Beschwerden nehmen drei Tage lang zweimal täglich 75 mg retardiertes Diclofenac (VOLTAREN RETARD, Generika) oder den Gyrasehemmer Norfloxacin (400 mg; BARAZAN, Generika) ein. Zusätzlich wird den Frauen Fosfomycin zur Einnahme nach drei Tagen mitgegeben, falls die Beschwerden persistieren sollten. Symptomfreiheit nach drei Tagen (primärer Endpunkt) erreichen mit Diclofenac deutlich weniger Frauen als mit Norfloxacin (54% vs. 80%, Differenz 27%, 95% Konfidenzintervall [CI] 15% bis 38%). Im Median sind die Beschwerden nach vier Tagen vs. zwei Tagen verschwunden. Rekonsultationen wegen Harnwegsinfektionen sind unter dem nichtsteroidalen Entzündungshemmer signifikant häufiger (20% vs. 8%), insbesondere aber auch Pyelonephritiden (5% vs. 0%). Die Antibiotikaeinnahme innerhalb von 30 Tagen (einschließlich Norfloxacin und Fosfomycin) wird hingegen von 98% auf 62% gesenkt (Differenz 37%, 95% CI 28% bis 46%).3 Aufgrund der fehlenden Plazebokontrolle bleibt unklar, ob Diclofenac überhaupt einen Nutzen hat oder der Schaden überwiegt. Wir raten daher von NSAR zur alleinigen Therapie einer unkomplizierten Zystitis ab. Um Antibiotikagebrauch und Resistenzrisiko zu verringern, erscheint es uns unverändert ratsam, Frauen mit geringen Symptomen zu erläutern, dass die Beschwerden auch ohne antibiotische Therapie abklingen können, und mit ihnen zu besprechen, dass sie ausreichend trinken und das verordnete Antibiotikum gegebenenfalls erst dann besorgen und einnehmen, wenn eine Besserung der Beschwerden innerhalb von 48 Stunden ausbleibt. Weder Fosfomycin noch Norfloxacin beurteilen wir hierfür als Mittel der Wahl, sondern ziehen Trimethoprim (INFECTOTRIMET) oder Nitrofurantoin (FURADANTIN RETARD, Generika) vor (a-t 2016; 47: 43-5), –Red

Fazit:

Die alleinige Gabe von NSAR bei der Zystitis sollte nicht empfohlen werden. Man kann dies mit den Patienten als eine Option besprechen, sollte aber bedenken, dass es zu mehr Pyelonephritiden kommen kann (5% vs 0%).
Wenn die Patienten mit einer Selbstmedikation beginnen, können sie sicher mit einem NSAR anfangen. Wenn sie in die Praxis kommen, bestehen die Beschwerden ja länger und wir sollten ihnen ein Antibiotikum geben.

Fazit Regen:

Keine generelle Empfehlung für alle Patienten, denn Schmerzmittel können evtl. einen kritischen Verlauf verdecken.
Eigentlich haben die meisten Patienten schon vor dem Erstkontakt Maßnahmen ergriffen. Wir sehen also die Erkrankung nicht im Anfangsstadium.
Supportives NSAR ist grundsätzlich in Ordnung (bei entsprechender Klinik).
Bei noch leichten Verläufen kann man erst NSAR geben, aber gibt ein Rezept für ein Antibiotikum mit. Falls die Symptome sich verschlechtern, kann dies selbstständig eingenommen werden.
Warmes Fußbad kann beim unkomplizierten Harnwegsinfekt helfen.

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