Nutzen einer Tonsillektomie bei Kindern

Nutzen einer Tonsillektomie bei Kindern

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Nutzen einer Tonsillektomie bei Kindern

Die eher skeptische Einstellung zum Nutzen einer bei Kindern mit rezidivierenden Tonsillitiden in jüngsten Metaanalysen (z.B. http://pediatrics.aappublications.org/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=28096515) wird durch eine landesweite Kohortenstudie aus Dänemark unterstützt.
Die Autoren untersuchten nicht weniger als 1.189.061 Kinder (48% Mädchen), die zwischen 1979 und 1999 in Dänemark geboren wurden und verfolgten sie mindestens zehn, z. T. bis zu 30 Jahre lang. In der Gesamtgruppe wurden 17.460 Kinder einer Adenotomie, 11.830 einer und 31.377 einer Adeno unterzogen. Die Kontrollgruppe bestand aus den verbliebenen 1.157.684 Kindern.
Die chirurgischen Eingriff waren mit einem deutlich erhöhten Risiko späterer Atemwegsinfektionen (ebenfalls, aber etwas geringer mit anderen Infektions- und allergischen Erkrankungen) assoziiert, während die Häufigkeit weiterer Tonsillitiden weitgehend unbeeinflusst blieb.
Die Originalarbeit (JAMA Otorhinolaryngol Head Neck Surg 2018) ist frei verfügbar unter https://jamanetwork.com/journals/jamaotolaryngology/fullarticle/2683621

Fazit:

Wir bleiben kritisch bei der Indikationsstellung zur Tonsillektomie. Das gilt auch für die Tonsillotomie, die wir schon mal im J. C. besprochen hatten (kurzfristig weniger Nebenwirkungen, aber erneute Entzündung durch nachwachsendes Gewebe möglich, kein eindeutiger Nutzen gegenüber Tonsillektomie).

Bei GAS-Tonsillitis: keine Abstriche bei gesunden Kindern, keine Eradikation von gesunden Trägern und Antibiose hat nur marginalen Vorteil auch bei Kindern.

Fazit Regen:

Das Risiko einer Blutung ist real, bei diesem geringen Nutzen (wenn überhaupt) sollte die Indikation sehr kritisch gestellt werden.

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