Herpes zoster: Wer wie geimpft werden sollte

Herpes zoster: Wer wie geimpft werden sollte

Siedler, Anette; Koch, Judith, Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1182 / B-978 / C-966,

Zusammenfassung des Artikels:

  • STIKO: Impfung mit Shingrix® wird zur Verhinderung HZ und PHN allen Personen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen (Standardimpfung)
  • Indikationsimpfung für Personen ab 50 Jahren mit einem erhöhten Risiko für den HZ und für eine PHN infolge einer Grundkrankheit/Immunsuppression
  • Kassenleistung
  • In D sind 2 HZ-Impfstoffe zugelassen: attenuierter Lebendimpfstoff Zostavax® un adjuvantierter Totimpfstoff Shingrix®
  • Für Totimpfstoff wurde bessere Wirksamkeit über alle Altersgruppen ab 50 Jahre und ein länger anhaltender Impfschutz festgestellt;
  • Epidem: In D jährlich > 300 000 Personen mit HZ, ansteigend mit Alter, ab > von 50 Jahren etwa 6/1 000 Personenjahre (PJ), 70 Jahre: > 13/1 000 PJ, bei Frauen höher;
  • Impfstoffwirksamkeit für Totimpfstoff: zwischen 96,9 % (95-%-KI: 90,6– 99,4) bei den 50- bis 59-Jährigen und 89,7 % (78,6–95,8) ab einem Alter von 80 Jahren, Schutzdauer: 4 Jahre nach Impfung bei den über 70-Jährigen: 87,9 %, Daten zur Immunantwort lagen für den Totimpfstoff bis zu 9 Jahre nach Impfung vor
  • Lebendimpfstoff deutlich geringerer Raten
  • in Zulassungsstudien schwere NW vergleichbar wie Placebogruppe, aber Totimpfstoff sehr reaktogen: 9,4 % berichteten über Lokalreaktionen mit höchster Intensität im Vergleich zu 0,3 % der Probanden aus der Placebogruppe
    • Indikationsimpfung mit individueller Nutzen-Risiko-Abwägung für Pers. mit erhöhtem Risiko für HZ:
      • An Zulassungsstudien nahmen Patienten mit rheumatoider Arthritis, chronischer Nierenerkrankung, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung oder Diabetes mellitus teil, Wirksamkeit hier kein Unterschied zur gesamten Gruppe, auch Patienten nach autologer Stammzelltransplantation, nach Nierentransplantation und bei HIV-Infizierten Sicherheit und Wirksamkeit untersucht
    • Für < 50 Jährige off Label
    • Impfschema: 2-malige i.m. Impfung im Abstand von mindestens 2 und maximal 6 Monaten, bei kürzerem Abstand ggf. kein wirksamer Immunschutz, sind mehr als 6 Monate zur ersten Impfdosis verstrichen, nicht neu beginnen, 2. Dosis sobald als möglich, nur 2 Impfungen bieten dauerhaften Impfschutz
    • Notwendigkeit zur Wiederholungsimpfung: noch keine Daten
    • kann zusammen mit Influenzaimpfstoff und/oder Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff geimpft werden
    • wenn zuvor mit HZ-Lebendimpfstoff geimpft wurden, kann Totimpfstoff geimpft werden, wenn der Abstand zur Lebendimpfung mindestens 2 Monate beträgt.
    • Patienten mit durchgemachter HZ: Totimpfstoff ist ausreichend immunogen und sicher aber Datenlage zur klinischen Wirksamkeit nach HZ-Erkrankung begrenzt und unklar wann ist günstiger Zeitpunkt

Hier könnt Ihr die Dokumentation zur wissenschaftlichen Begründung des RKI zu finden:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/50_18.pdf?__blob=publicationFile

FAZIT Online:

Die Wirksamkeit in den Zulassungsstudien ist sehr gut. Schwere Nebenwirkung wie in der Plazebo-Gruppe. Lokale Nebenwirkungen höher – bis zu 10%.
Patienten, die schon mal einen HZ hatten, profitieren wohl nicht so gut wie noch nicht Erkrankte. Auch mit zunehmenden Alter ist der Nutzen etwas geringer (80jährige haben dann immer noch 90%).

FAZIT Regen:

Man muss die Patienten unbedingt auf die Nebenwirkungen (lokal und systemisch) hinweisen. Zoster-Rezidive sind mit <5% eher gering, da hier die Impfung nur schlecht wirkt, kann man eher zurückhaltend sein.

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