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Blutungsrisiko bei DOAK und VKA

Horton-Stiftung

Verglichen zu Warfarin ist das Blutungsrisiko der neuen direkten oralen Antikoagulantien nicht höher

Frage:

Sicherheit – Blutungsrisiko und Sterblichkeit – von Warfarin im Vergleich zu den »direkt oralen Antikoagulantien« bei Patienten mit venöser Thromboembolie?

Die präventive Wirksamkeit der DOACs ist in mehreren Studien erwiesen. In diese Studien wurden aber selektierte Patienten eingeschlossen – Patienten, die anamnestisch schon eine Blutung hatten wurden ausgeschlossen – und damit bestehen Unsicherheiten ob der positive Effekt der DOCAs auch in der realen Welt – also nicht nur unter standardisierten Studienbedingungen – vorhanden ist.

Zu dieser Frage führten die Autoren dieser Arbeit eine populationsbasierte Studie durch.

Kommentar:

  • Verglichen zu Warfarin ist die Blutungsrate bei einer Behandlung mit DOACs während der ersten 3 Monate nicht unterschiedlich; es gibt auch keine Hinweise, dass sie während einer längeren Beobachtungsdauer unterschiedlich ist.
  • Diese Studie ist ein weiterer Hinweis (‚piece of evidence’) dass die DOACs, was Blutungen und die Sterblichkeit betrifft, genauso gut oder gefährlich sind wie die Vitamin K-Antagonisten.

Resultat:

  • Annähernd 150 Tausend Patienten mit einer venösen Thrombose und/oder Lungenembolie konnten in der Datenbank identifiziert werden; 90.7% dieser Patienten erhielten Warfarin, 9.3% ein DOAC (meist Rivaroxaban).
  • Das mittlere Alter lag bei 64 Jahren, und etwas mehr als die Hälfte waren Frauen.
  • Während einer im Mittel knapp dreimonatigen Beobachtungsphase starben 1.7% der Patienten und bei 3.3% trat eine grössere Blutung auf.
  • Die Blutungsraten zwischen den beiden Gruppen – Warfarin versus DOACs – waren weder 30 noch 60 Tage nach Beginn der Therapie unterschiedlich. Die Tendenz ging eher in die Richtung einer geringeren Blutungsgefahr in der DOACs-Gruppe. Diese Ergebnisse waren auch konsistent in verschiedenen Untergruppen – bei Patienten mit und ohne Niereninsuffizienz, über alle Altersgruppen und für Männer und Frauen.
  • In der Sterblichkeitsrate wurden keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt.

Studiendesign und Methode:

Die Daten dieser Studie stammen aus verschiedenen Datenbanken in Kanada und der USA und betreffen Personen, die zwischen 2009 und 2016 eine venöse Thrombose oder Lungenembolie hatten. Aufgrund der Ergebnisse statistischer Verfahren (‘propensity score’) wurden die Patienten, die mit Warfarin oder mit DOACs behandelt wurden »gematcht« und damit, so gut wie eben möglich, vergleichbar gemacht.

Fazit:

Populationsbasierte Studie (bei Lungenembolie und Tiefer Beinvenenthrombose) mit geringer Aussagekraft. 60.000 Patienten sind eine große Zahl. Aber das Studiendesign als Beobachtungsstudie ist streng genommen nicht geeignet, um definitive Aussagen für die Anwendung in der Praxis treffen. Sie ist aber ein Hinweis darauf, wie die Medikamente in der Realität tatsächlich wirken können.

Fazit Regen:

Man muss immer schauen, wer hinter diesen Studien steht. Als Hinweis auf mögliche Nebenwirkungen oder Schwierigkeiten im Einsatz können Beobachtungsstudien als Anlass für eine weitere Untersuchung hilfreich sein.