Screening auf Vorhofflimmern mittels Smartwatch: Wann ist das klinisch relevant?

Screening auf Vorhofflimmern mittels Smartwatch: Wann ist das klinisch relevant?

Der Arzneimittelbrief

Zusammenfassung: Ein unselektiertes Screening auf Vorhofflimmern in der gesunden Bevölkerung ist aus unserer Sicht abzulehnen, denn es führt zu vielen falsch positiven Befunden, die unnötige Untersuchungen zur Abklärung und Ängste nach sich ziehen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass durch die zunehmende Anwendung implantierter oder tragbarer elektronischer Geräte die Inzidenz erkannter asymptomatischer Episoden von Vorhofflimmern künftig rasch steigen wird (sog. „device detected atrial fibrillation“). Die klinische Relevanz so erhobener Befunde ist noch unklar. Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass die optimale Schwelle für den Beginn einer Antikoagulation zur Prävention von Thromboembolien möglicherweise deutlich höher liegt (z.B. Episodendauer über 24 Std.) als bei symptomatischem Vorhofflimmern. Bis laufende prospektive Studien dazu mehr Klarheit bringen, muss auch bei einem relevanten CHAD2DS2-VASc-Score individuell über eine Antikoagulation entschieden werden.

FAZIT Online:

Im Grunde können wir Patienten beruhigen. Es scheint, die Episoden müssen über 24 Stunden dauern, sonst ist das Risiko nicht erhöht. Daran sollte sich ein LZ-EKG anschließen. Dann haben wir immer noch den CHAD2DS2-VASc-Score zur Beratung zur oder gegen die Antikoagulation.
Ganz sicher müssen wir uns mit diesen neuen Anwendungen auseinandersetzen. Die Patienten ernst nehmen und trotzdem bei Bedarf ent-ängstigen. Und wir müssen uns gut auskennen, welche Sensitivität und Spezifität diese Diagnostik hat.

FAZIT Regen:

Krankenkassen unterstützen immer mehr solche Apps. Eigentlich ist zu fordern, dass diese Apps ihre Sensitivität und Spezifität angeben. Nur so können wir beraten.
Bei Symptomen ernstnehmen und mit uns bekannten Maßnahmen überprüfen.

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