Thrombozytose als Hinweis auf Krebs

H&W 10 2017

Thrombozytose als Hinweis auf Krebs

Kurzbesprechung vom Artikel: Bailey et al: Clinical Relevance of thrombocytosis in primary care: a prospective cohort study of cancer incidenxe using English electronic medical records and cancer registry data. Br J Gen Pract 2017;67:e405-13

Es wurden im Datenbank vom Hausarzt zwischen 2000-2013: 40.000 Patienten über 40 Jahre mit Thrombozytose (>400×109/L) selektiert. Das einjahres-Risiko für verschieden Arten von Krebs wurde verglichen mit 10.000 Patienten vom gleichen Alter und Geschlecht, aber ohne Thrombozytose.
Das RIsiko Krebs zu bekommen war höher bei den Patienten mit Thrombozytose:
Männer 11,6% versus 4,1% und Frauen 6,2% versus 2,2%
Die Risiken waren noch höher, wenn innerhalb von 6 Monaten nochmal ein Thrombozytose vorhanden war: Männer 19% und Frauen 10%. Von den Patienten mit Lungen- und Darmkrebs hatte ein Drittel keine Symptome zur Zeit der Thrombozytose. Die Forscher wollen es nicht als Screeningsinstrument untersuchen. Eine Thrombozytose kann mehrere Ursachen haben, z.B. auch eine Infektion. Die positive predictive value für Krebs war für Männer in dieser Studie 11,6%. Das klingt wenig, allerdings ist es höher als die positive predictive value von einem Knubbel in der Brust bei Frauen über 50 Jahre für Brustkrebs (8,5%) oder Bluthusten bei Männer über 40 Jahre für Lungenkrebs (3,5%)…

Fazit:

Man sollte im Auge behalten, dass dieser Befund ein möglicher Hinweis auf eine Krebserkrankung sein kann. Der Positiv Prädiktive Wert ist genauso hoch wie beim iFOP. Es ist ein Grund, aufmerksam den Patienten zu befragen und eventuell zu untersuchen. Es wäre kein Grund zum weiteren Screening, aber vielleicht die angebotenen Screeningmethoden wahrzunehmen.

Fazit Regen:

Wir würden die betreffenden Patienten nicht unbedingt aktiv informieren, aber intensiv die aktuelle Anamnese erheben und eventuell die bekannten Krebsfrüherkennungsuntersuchungen intensiver empfehlen. Auf alle Fälle sollte eine Kontrolle nach 3 Monaten vereinbart werden, um die Thrombozyten zu messen und erneut eine möglicherweise vorliegende Krebserkrankung durch Anamnese und Befund zu erkennen.
Wir würden aber auf alle Fälle die Patienten nicht verängstigen wollen, sie aber aufmerksam verfolgen und betreuen.
Eine Frage wäre, ob es eine bessere Aussage ergeben würde, wenn man zusätzlich zu den Thrombos noch eine Hypercalziämie abklären würde?
Zu bedenken ist auch, dass chronische Erkrankungen mit einer Thrombozytose einhergehen können (CED, Rheuma)

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