BiCARB: Kein Benefit durch Natriumhydrogencarbonat bei Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung

(Amboss Studientelegramm)
Titel der Studie: Clinical and cost-effectiveness of oral sodium bicarbonate therapy for older patients with chronic kidney disease and low-grade acidosis (BiCARB): a pragmatic randomised, double-blind, placebo-controlled trial
Journal: BMC Medicine

Eine metabolische Azidose tritt bei mehr als 20% aller Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) auf und ist laut Beobachtungsstudien mit einem schlechteren Krankheitsverlauf assoziiert. Ihre Prävalenz steigt mit zunehmender Nierenfunktionseinschränkung. Aktuelle Leitlinien zur Therapie der CKD empfehlen daher die Behandlung mit oralem Natriumhydrogencarbonat ab einem Serum-Bicarbonat-Spiegel <22 mmol/L.

Nun untersuchte die doppelt verblindete, multizentrische, randomisiert-kontrollierte BiCARB-Studie im Auftrag des britischen National Institute for Health Research (NIHR) bei insg. 300 Patienten ≥60 Jahre mit fortgeschrittener CKD (eGFR <30 mL/min/1,73m2) die Therapie mit Natriumhydrogencarbonat vs. Placebo. Patienten an der Hämodialyse waren ausgeschlossen. Primärer Endpunkt war die körperliche Funktion nach 12 Monaten, gemessen mit der Short Physical Performance Battery (SPPB). Sekundäre Endpunkte umfassten u.a. Lebensqualität, Nierenfunktion, Biomarker sowie therapieassoziierte Nebenwirkungen.

Für Natriumhydrogencarbonat zeigte sich bei keinem dieser Punkte ein Benefit. In der Interventionsgruppe traten sogar signifikant häufiger insb. gastrointestinale sowie kardiovaskuläre Nebenwirkungen auf (akute Koronarsyndrome/Myokardinfarkte; 10 vs. 2). Die Lebensqualität war verschlechtert, die Therapiekosten waren erhöht. Die Ergebnisse blieben auch nach Subgruppen-Analysen stabil.

Es fand sich eine hohe Dropout-Rate von 38% nach 12 Monaten, begründet durch Tod, Krankheitsprogress oder Rückzug der Bereitschaft zur Studienteilnahme nach Beginn einer Hämodialyse. Der Anstieg des Serum-Bicarbonat-Spiegels in der Interventionsgruppe fiel insg. moderat aus (+1,7 mmol/L nach 3 Monaten; 95% KI 1,0‒2,4; p <0,001; nicht weiter signifikant nach 24 Monaten). Dies mag im pragmatischen Studiendesign begründet sein, welches das reale Dosierungsverhalten britischer Nephrologen widerspiegeln sollte: Hierbei wurde in der Interventionsgruppe nur bis zu einem Maximum von 3 g Natriumhydrogencarbonat aufdosiert. Die Autoren diskutierten, dass ein “treat-to-target”-Ansatz das Risiko für Nebenwirkungen sowie die Belastung durch Polypharmazie bei älteren Patienten nur weiter erhöhen könne.

Fazit:

Das deckt sich mit unseren Erfahrungen, dass Bicarbonate nur noch sehr zurückhaltend gegeben werden.

Fazit Regen:

Wir lassen das eigentlich in der Hand der Nephrologen. Wir würden das selber nicht absetzen. Aber möglicherweise ist es eines der Medikamente, die man weglassen kann, wenn insgesamt „etwas“ rausgenommen werden soll.