Die neue DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen

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Neu ist in dieser Leitlinie die noch klare Empfehlung für eine zurückhaltende Indikationsstellung bei der Gabe von Antibiotika. Hintergrund ist der meist selbstlimitierende Verlauf und das geringe Komplikationsrisiko auch bei zugrundeliegenden Streptokokken-Infektionen. Durch eine Antibiotikagabe können die Symptome nur um durchschnittlich 16 Stunden verkürzt werden. Außerdem können Poststreptokokken-Erkrankungen durch Antibiotika nicht verhindert werden. Aber eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen kann bei einer Antibiotikatherapie und nach Abklingen der Symptome ab dem 2. Tag erfolgen, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome.

https://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/053-010_Halsschmerzen/053-010k_Halsschmerzen_24-11-2020.pdf

Bei intermediärer klinischer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-Pharyngitis werden Antibiotika nur als Option und nur mittels Delayed Prescribing empfohlen, also die Mitgabe eines Rezepts für eine spätere Einlösung bei Verschlechterung. Auch bei einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-bedingten Tonsillopharyngitis wird die antibiotische Therapie als optional angegeben und als Alternative zur sofortigen Therapie ebenfalls Delayed Prescribing empfohlen. Sollte eine Therapie mit Antibiotika erfolgen, gibt es hierzu neue Empfehlungen. Goldstandard ist weiterhin die Gabe von Penicillin V, aber statt wie bisher für 7 Tage laut neuer Empfehlung für 5 bis 7 Tage. Bei Penicillin-Unverträglichkeit wird jetzt zur Einnahme von Clarithromycin geraten, da das früher empfohlene Erythromycin in Deutschland nicht mehr zuverlässig lieferbar ist. In der Diagnostik ist bei Kindern unter 15 Jahren mit klinischem Verdacht auf eine bakterielle Genese ein Streptokokken-Schnelltest empfohlen, um bei negativem Befund auf ein Antibiotikum verzichten zu können. Auch bei höherer klinischer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-Tonsillitis soll bei Kindern mit negativem Schnelltestergebnis keine antibiotische Therapie verabreicht werden.

Fazit:

Man soll noch zurückhaltender als bisher die Antibiotika-Verschreibungen zu verhindern oder hinauszuzögern.

Schnelltests unter 15 Jahren helfen, wenn sie negativ sind, Antibiose zu vermeiden, wenn sie positiv sind, trotzdem diese hinauszuzögern.

Gut ist, dass ein Antibiotikum kürzer gegeben werden kann. Wenn Penicillin Allergie, geben wir Azithromycin.

Fazit Regen:

Siehe Fazit oben.