ß-Blocker nach Herzinfarkt bei COPD Patienten– ist es riskant?

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Degam Benefit 11/2020

Dass Patienten nach einem Herzinfarkt u.a. mit Betablockern behandelt werden sollten, ist eine Binsenweisheit. Weniger weit verbreitet ist hingegen die Tatsache, dass Infarktpatienten, die auch noch an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, zu selten Betablocker bekommen. Der Grund ist die Befürchtung, dass die Einnahme dieser Medikamente zu einer Verschlechterung der COPD führen könnte.

  • Nun könnte man meinen, dass nur die nichtselektiven Betablocker an der o.g. Befürchtung schuld und die Beta-1-selektiven die Guten sind.
  • Zumindest eine nationale dänische Studie https://t1p.de/4xc1 mit nicht weniger als 301.542 neuen Nutzern kam (2019) zu einem anderen Ergebnis. Die untersuchten Patienten waren zwischen 30 und 90 Jahre alt und wurden 20 Jahre lang in einem Vergleich mit über einer Million Einnehmern anderer Hochdruckmittel in Bezug auf COPD-assoziierte Krankenhausaufnahmen und Mortalität untersucht.
  • Personen, die mindestens sechs Monate lang Betablocker einnahmen, hatten kein höheres, sondern im Gegenteil ein vermindertes Risiko – und zwar unabhängig von der Selektivität.
  • Aus demselben, anscheinend unerschöpflichen Fundus des nationalen, dänischen Krankheitsregisters, stammen nun die Daten zum Zusammenhang zwischen Herzinfarkt, COPD und Betablocker-Einnahme.
  • 10.884 COPD-Patienten wurden nach einem erstmalig erlittenen Herzinfarkt 13 Jahre lang nachverfolgt. Ein Jahr nach Entlassung nahmen 65% Betablocker ein.
  • Das Risiko einer akuten Exazerbation unter Betablocker-Einnahme war in einer multivariaten Adjustierung statistisch niedriger als ohne Betablocker (HR 0.78, 95% KI 0.74–0.83) –
    • unabhängig von der Lokalisation des Infarkts,
    • der Anwesenheit einer Herzinsuffizienz,
    • der Schwere der COPD oder der Exazerbation
    • und der Dosis bzw. Selektivität der eingenommenen Betablocker.

Quintessenz: Folgt man den Erkenntnissen dieser repräsentativen Studie aus dem dänischen Nationalregister, müssen mit Betablockern behandelte COPD-Patienten nach einem Herzinfarkt keine Verschlechterung ihrer Grunderkrankung befürchten.

Rasmussen DB, Bodtger U, Lamberts M, et al. Beta-blocker use and acute exacerbations of COPD following myocardial infarction: a Danish nationwide cohort study. Thorax 2020; 75: 928 – 933

Fazit:

Trotzdem niedrig dosiert ß-Blocker geben. Nach einem Jahr ß-Blocker Indikation nach Herzinfarkt re-evaluieren.

Fazit Regen:

Die ß-Blocker sind durch ihre Weiterentwicklung jetzt selektiver und weniger Nebenwirkungsbehaftet.