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Weniger ist mehr – Therapie der Hypertonie im Krankenhaus

Die Hypertonie ist Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Eine ambulante Blutdruckeinstellung, möglichst nach 24-h-Blutdruckmessung, ist somit essentieller Bestandteil der Primärprophylaxe von Myokardinfarkt, Schlaganfall und chronischer Nierenerkrankung. Da ein erhöhter Blutdruck aber auch eine physiologische Anpassungsreaktion auf z.B. Stress oder Schmerz ist, ist die Therapie von hypertensiven Episoden nicht immer zielführend. Gerade im stationären Setting ist der Benefit einer prompten medikamentösen Blutdrucksenkung unklar.

Rastogi et al. untersuchten nun in einer Kohortenstudie, wie häufig eine akute Blutdrucksenkung bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten durchgeführt wird und ob diese von Vorteil ist. Insg. 22.834 Patientinnen und Patienten wurden eingeschlossen, die 2017 in einem der beteiligten US-amerikanischen Krankenhäuser stationär für eine nicht-kardiovaskuläre Ursache behandelt wurden.

Insg. 78% zeigten mind. einmal einen erhöhten Blutdruck (systolisch >140 mmHg), aber nur 33% dieser Fälle wurden mit einem intravenösen oder mind. einem neuen Antihypertensivum behandelt. Selbst bei einem systolischen Blutdruck >220 mmHg wurde nur in der Hälfte der Fälle (47,4%) mit einer zusätzlichen oder intravenösen Substanzklasse therapiert.

In einer weiterführenden Analyse wurden 9.040 (4.520 akut antihypertensiv Behandelte vs. 4.520 zur Kontrolle) der Patientinnen und Patienten nach Alter, Geschlecht und Komorbiditäten gematcht und auf das Eintreten primärer Endpunkte untersucht (akute Nierenschädigung, Myokardinfarkt und Schlaganfall während des Krankenhausaufenthalts). Interessanterweise zeigte hier die Therapie- und nicht die Kontrollgruppe signifikant höhere Raten an akuten Nierenschädigungen und Myokardinfarkten (10,3% vs. 7,9%; p <0,001 bzw. 1,2% vs. 0,6%; p = 0,003). Die Schlaganfallrate war in beiden Gruppen gleich niedrig. Insg. zeigte sich auch ein Jahr nach Entlassung keine bessere Blutdruckkontrolle durch eine intensivierte antihypertensive Therapie bei Entlassung.

Auch wenn die Studie eine Dosiseskalation der bereits bestehenden Medikation nicht als Therapie erfasst (und somit die Anzahl Therapierter wahrscheinlich größer ist), unterstreicht sie doch, dass hypertensive Episoden während eines Klinikaufenthaltes zurückhaltend therapiert werden sollten. Im stationären Alltag reicht häufig eine zweite Messung mit einigen Stunden Abstand, um eine relevante Blutdrucksenkung zu dokumentieren – ohne medikamentöse Intervention.

Fazit:

Asymptomatische, nicht zu hohe RR-Werte in der Klinik können gelassen ignoriert werden. Ohne akute Intervention leben sie offensichtlich länger. Frei nach Popp: Im KH optimieren wir den RR beim liegenden Patienten. Beim Hausarzt stehen sie auf und kippen um (und brechen sich den Schenkelhals)

Fazit Regen:

Im KH wird die Medikation relativ rasch erhöht. Zu hause muss man das wieder anpassen. Vor allem auch, weil RR-Medikamente erst nach ca. 14 Tagen die volle Wirkung entfaltet.