Dementia Care Management

Evidenzbericht zur S3-Leitlinie Demenzen

Hintergrund: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) kann dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Leitlinien vorschlagen, bei denen das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gemäß SGB V (§§ 139 a Abs. 3 Nr. 3, 139 b Abs. 6 SGB V) die Entwicklung oder Aktualisierung mit Evidenzrecherchen unterstützen soll [1]. Der vorliegende Auftrag umfasst die Beantwortung von Fragestellungen zur Aktualisierung der interdisziplinären S3-Leitlinie „Demenzen“ (Registernummer der AWMF: 038-013) [2].

Fragestellung: Darstellung der Evidenz bezüglich der Effekte von Dementia Care Management im Vergleich zur Standardtherapie bei Patientinnen und Patienten mit leichter bis schwerer Demenz

Population: In die Evidenzdarstellung wurden Studien mit Patientinnen und Patienten mit einer leichten bis schweren Demenz jeglicher Ätiologie aufgenommen. Die zu prüfende Intervention umfasste ein Dementia Care Management. Als Vergleichsintervention galt die Standardtherapie.

Endpunkte:Die Darstellung der Evidenzgrundlage eines Dementia Care Management erfolgte anhand von Endpunkten, die durch die Leitliniengruppe festgelegt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für Patientinnen und Patienten mit Demenz der Kategorie „kritisch für die Entscheidung“ zugeordnet wurden:

  • Häufigkeit der Klinikeinweisung
  • Arztkontakte
  • Zeit bis zur Heimeinweisung / Zeit, zu Hause zu verbleiben
  • Globalwert für neuropsychische Symptome, wie behaviorale und psychologische Symptome der Demenz (BPSD)
  • Medikationsverbrauch (psychiatrische Medikamente)
  • Zufriedenheit / Stress der informell Pflegenden

Für den zu erstellenden Evidenzbericht wurden RCTs zur Beantwortung der Fragestellung berücksichtigt.

Die Arbeit /systematische Recherche des Arbeitskreises wird in ihrer Methodik in knapp 10 Seiten dargestellt (Beeindruckend!)

Letztlich konnten 6 internationale RCTs eingeschlossen und ausgewertet werden, die allen Anforderungen entsprachen. Alle Studien untersuchten die Wirksamkeit eines Dementia Care Managements im Vergleich zur Standardbehandlung. Die Interventionsdauer reichte von 4 bis 18 Monaten und die Studiendauer von 12 bis 24 Monate.

Hier ein Auszug aus einer Studie aus HongKong, wie so ein Dementia Care Management gestaltet wurde:

Alle Interventionen der eingeschlossenen Studien beinhalten grundlegende Kernelemente des Dementia Care Managements wie ein Assessment der individuellen Bedürfnisse, einer Planung und Koordination individueller Maßnahmen, sowie deren Evaluation. Sie unterscheiden sich in der konkreten Umsetzung.

Insgesamt zeigte die verfügbare Evidenz signifikante Effekte eines Dementia Care Managements in Bezug auf einen Anstieg des Medikationsverbrauchs (in der Kontrollgruppe), die Verlängerung bis zur Heimeinweisung sowie eine Reduktion der Belastung der informell Pflegenden. Ein signifikanter Effekt auf behaviorale und psychologische Symptome der Demenz konnte anhand der verfügbaren Evidenz nicht festgestellt werden. Für die Endpunkte Häufigkeit der Klinikeinweisung und Arztkontakte lagen in den eingeschlossenen Studien keine verwertbaren Daten vor. Somit besteht für diese Endpunkte eine Evidenzlücke.

Fazit:

Das Demenz-Care-Management hat offensichtlich nur einen überschaubaren Wert. Es gibt ähnliche Projekte auch bei uns, ist aber mit viel Aufwand verbunden.