Eisentherapie bei Eisenmangel ohne Anämie

Basel Institut für Klinische Epidemiologie & Biostatistik (ceb)/ CH 2020:

Kurzzusammenfassung:

Von Eisentherapie profitieren:

  • Pat. mit Restless-legs-Syndrom (Stat. sign. Verbesserung des Schweregrades       der Symptome und des Ansprechens auf die RLS-Behandlung)→ Placeboeffekte    können jedoch nicht ausgeschlossen werden in 6 von 7 Studien
  • Frauen mit IDNA und Fatigue→ Placeboeffekte können jedoch nicht ausgeschlossen werden in 4 Studien

Es scheint kein Zusammenhang zwischen den Ferritin-Ausgangswerten zu Studienbeginn und dem Ausmaß der Verringerung des          Fatigue-Schweregrades zu bestehen.

Es wurde kein statistisch signifikanter Anstieg von unerwünschten oder schweren unerwünschten Nebenwirkungen bei Eisentherapie-Patient*innen im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet.

ALLERDINGS: Qualität der Evidenz aus Studien zu IDNA und Fatigue oder RLS wurde als sehr gering eingeschätzt. Trotzdem ist es laut Autor*innen wahrscheinlich, dass bei oben genannten Gruppen ein Nutzen besteht.

Eisentherapie bei Eisenmangel ohne Anämie

Die Definition und die Indikation zur Behandlung von Eisenmangel ohne Anämie (iron deficiency no anaemia, IDNA) werden kontrovers diskutiert: V.a. ob die Kosten für eine Eisentherapie in bestimmten Situationen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) übernommen werden sollten, ist Gegenstand der Diskussion in der Schweiz. Nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) muss ein erstattungsfähiges Leiden als Krankheit eingestuft werden und die Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit der Behandlung nachgewiesen sein. Deshalb führte das Basel Institut für Klinische Epidemiologie & Biostatistik (ceb) ein Assessment zur klinischen Wirksamkeit und eine gesundheitsökonomische Bewertung der parenteralen Eisentherapie durch.

Bei Patient*innen mit Restless-Legs-Syndrom (RLS, acht RCTs) führte die Eisentherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer statistisch signifikanten Verringerung des Schweregrades der RLS-Symptome sowie zu einer statistisch signifikanten Verbesserung des Ansprechens auf die RLS-Behandlung. Hinsichtlich der Endpunkte Schlaf, Schläfrigkeit, Lebensqualität, Depression und Müdigkeit wurde allerdings keine statistisch signifikante Wirkung der Eisentherapie festgestellt. Bei Frauen mit IDNA und Fatigue (vier RCTs) führte die Eisentherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer statistisch signifikanten Verbesserung des Schweregrades der Fatigue sowie zu verbesserten Subscores für Lebensqualität im Bereich der psychischen, und physischen Gesundheit. Bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS, ein RCT) kam es trotz Behandlung zu keiner statistisch signifikanten Reduktion des Schweregrades der ADHS-Stärke oder zur Verbesserung des klinischen Gesamteindrucks. Dagegen verringerte sich allerdings die Anzahl der Kinder mit RLS-Diagnose statistisch signifikant. Aufgrund der sehr geringen Fallzahlen (nur sieben RCTs berichteten über Sicherheitsoutcomes) wurden die unerwünschten (AEs) und schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (SAEs) der drei Studienpopulationen gepoolt: Es konnte kein statistisch signifikanter Anstieg von AEs/SAEs bei Eisentherapie-Patient*innen im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden.

Die Qualität der Evidenz aus Studien zu IDNA und Fatigue oder RLS wurde als sehr gering eingeschätzt. Trotzdem ist es laut Autor*innen wahrscheinlich, dass ein erheblicher Anteil der Eisentherapie-Patienten*innen eine Verringerung des Fatigue-Schweregrades bzw. der RLS-Symptome erfährt. Zudem deutete die Metaanalyse bei Frauen mit Müdigkeit darauf hin, dass kein Zusammenhang zwischen den Ferritin-Ausgangswerten zu Studienbeginn und dem Ausmaß der Verringerung des Fatigue-Schweregrades besteht. Die Behandlung mittels parenteraler Eisentherapie bringt allerdings erheblich höhere Kosten pro Patient*in mit sich als die Behandlung mittels oraler Eisentherapie. OS

Basel Institut für Klinische Epidemiologie & Biostatistik (ceb)/ CH 2020: Iron therapy for iron deficiency without anaemia. https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/kuv-leistungen/bezeichnung-der-leistungen/Re-Evaluation-HTA/iron-therapy-for-iron-deficiency-without-anaemia.pdf.download.pdf/Eisentherapie%20bei%20Eisenmangel%20ohne%20An%C3%A4mie%20-%20Full%20HTA%20Report.pdf

Fazit:

Es wäre einen Versuch wert, betroffene Patienten zu behandeln. Die orale Gabe sollte aber gegenüber der iv-Gabe bevorzugt werden. Bzgl. der Äquivalenzdosis wird im Originalpaper 90 Tage tgl. 100 mg Eisen im Vergleich zur ein- bis zweimaligen venösen Verabreichung von 500-1000 mg Eisen genannt. s.u.

Fazit Regen:

Bei Restless legs Syndrom haben einzelne bei niedrigem Ferritin schon einen Benefit gesehen. Eisen substituieren ohne Mangel würde von uns allen nicht durchgeführt werden (Gefahr der Hämochromatose).

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