INR-Veränderungen nach COVID-19-Impfung

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EMA: EudraVigilance, Stand 10. Juli 2021; https://www.adrreports.eu
© 2021 arznei-telegramm, publiziert am 16. Juli 2021

Eine 67-Jährige, die zur Antikoagulation wegen mechanischen Mitralklappenersatzes Phenprocoumon (MARCUMAR, Generika) einnimmt, wird mit der COVID-19-Vektorvakzine von AstraZenca (AZD1222; VAXZEVRIA) geimpft. Ihr INR-Wert liegt vor der Impfung mit 3,1 im therapeutischen Bereich, drei Tage danach mit 0,8 jedoch deutlich darunter. Sie nimmt daraufhin eine zusätzliche Tablette Phenprocoumon ein und injiziert subkutan das niedermolekulare Heparin Enoxaparin (CLEXANE, Generika). Auch am Folgetag erhöht sie nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt bei anhaltend zu niedriger INR von 1,8 ihre übliche Phenprocoumondosis – diesmal um eine halbe Tablette – und injiziert nochmals Heparin. Fünf Tage nach der Impfung liegt die INR mit 3,3 wieder im angestrebten Bereich. Die Patientin gibt an, keine Vitamin-K-haltige Kost verzehrt und keine Medikamenteneinnahme vergessen zu haben (NETZWERK-Bericht 18.045). Auch in Verbindung mit anderen COVID-19-Impfstoffen dokumentieren wir Veränderungen der INR. Alle Betroffenen sind wegen mechanischen Aortenklappenersatzes antikoaguliert. Ein 56-jähriger, dessen INR im Selbstmanagement immer zwischen 2,6 und 3,0 liegt, misst nach Immunisierung mit dem Vektorimpfstoff von Janssen (Ad26.COV2.S; COVID-19 VACCINE JANSSEN) schwankende INR-Werte zwischen 1,9 und 4,4 (18.103). Bei einer 80-jährigen Frau sowie einem 79-jährigen Mann wird bei Krankenhausaufnahme mit Verdacht auf Herzinfarkt bzw. Salmonellensepsis fünf Tage bzw. zwei Wochen nach Impfung mit der mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer (BNT162b2; COMIRNATY) eine INR von über 7 ermittelt (18.081 und 18.082). Inwieweit die akuten Erkrankungen hier den INR-Wert beeinflusst haben könnten, bleibt unklar. Auch die Nebenwirkungsdatenbank der europäischen Arzneimittelbehörde EMA1 dokumentiert Meldungen über INR-Veränderungen nach Impfungen gegen COVID-19: Mitte Juli 2021 liegen für die Vakzine von BioNTech/Pfizer 94 Berichte zu INR-Anstieg vor, 34 zu INR-Abnahme, 7 zu abnormaler INR und 6 zu INR-Fluktuationen, für den mRNA-Impfstoff von Moderna (mRNA-1273; SPIKEVAX) 17 bzw. 4 zu INR-Anstieg bzw. -Abnahme sowie jeweils 1 Meldung zu abnormaler INR und INR-Fluktuationen. Zur Vakzine von AstraZeneca sind 117 Meldungen zu INR-Anstieg erfasst, 60 zu INR-Abnahme, 14 zu abnormaler INR und 6 zu INR-Fluktuationen, in Verbindung mit dem Impfstoff von Janssen 16 bzw. 2 zu INR-Anstieg bzw. -Abnahme sowie 1 Meldung zu abnormaler INR.1 Soweit wir sehen, bewerten Arzneimittelbehörden INR-Veränderungen in Verbindung mit COVID-19-Impfstoffen derzeit nicht als Risikosignal. Vorsichtshalber sollten aber die INR-Werte bei Anwendern von Cumarin-Antikoagulanzien nach COVID-19-Impfung engmaschig kontrolliert werden.

Fazit:

Wir könnten nach der Impfung bei Patienten mit Marcumar kurzfristig und engmaschig den INR kontrollieren. Bei hohem Risiko eher, bei mittlerem und geringerem Risiko eher weniger. Grundsätzlich klären wir sie eh über Thrombosen und Blutungen auf.